Keine Panik 4.0 – Digitalisierung der Gesundheit ist kein Selbstzweck

Unsere Gesundheit ist nicht mehr das, was sie mal war – also vor der Apple-Watch und anderen digitalen Helfern. Auch Ärzte und Krankenkassen haben es auf die Daten der Patienten abgesehen. Fluch oder Segen?

Gesundheitsuhr - (c) Fotolia.com | venimo

Gesund ist, wer sich vermisst? (c) Fotolia.com, venimo

Privat definieren viele von uns Gesundheit anders als vor ein paar Jahren: Mit einer Uhr erfassen wir, wie viel wir uns bewegen, messen Blutdruck und Puls. Als Diabetiker verwalten wir Blutzuckerwerte und Insulingaben per Smartphone. Als Allergiker informieren wir uns über die aktuelle Pollenbelastung oder lassen uns Tipps für Notfallversorgung, Zahnhygiene und Ärzte per App geben. Wenn wir ehrlich sind, wissen wir nicht wirklich, was mit all diesen Daten, die wir da erfassen, geschieht und wie diese von wem genutzt werden. Aber für viele stellen sie einen Nutzen dar, den wir genauso wenig missen möchten, wie unser Smartphone, das uns den Zugang zu all diesen Möglichkeiten erlaubt.

Datenschutz: Chance versus Risiko

Obwohl Deutschland im Vergleich zu seinen europäischen Nachbarn beim Einsatz neuer Informationstechnologien in der Gesundheitsversorgung hinterherhinkt, werden auch bei uns Ärzte in Diagnose und Therapie immer stärker durch eine systematische Erschließung medizinischen Wissens und den Zugang zu entsprechenden Datenbanken unterstützt. Das (orts- und zeitunabhängige) Sammeln patientenbezogener Informationen erlaubt  ihnen dank eines Abgleichs mit weltweiten Datenbanken eine individuellere Behandlung. Doch ist das nicht problematisch? Weiß ich, was mit meinen Daten passiert? Werden diese wirklich anonymisiert oder kann es sein, dass Krankenkasse oder Arbeitgeber Informationen über meinen Krankheitsverlauf bekommen, die mir im Zweifelsfall schaden können?

In der Tat: Datensicherheit und Datenschutz spielen  im Gesundheitswesen eine nicht zu unterschätzende Rolle. Hierbei geht es aus meiner Sicht weder um ein Abwägen der Vor- und Nachteile als vielmehr um die Sicherstellung von verlässlichen Standards und Regulierungen. Diese müssen die Basis für den Aufbau von Informations- und Wissenssystemen bilden, von denen ich als Patient genauso profitiere, wie der Arzt.

Nächstenliebe 4.0 – oder die Aufgabe der christlichen Träger

Wie bei der Industriellen Revolution, dem letzten epochalen Umbruch, werden wir in Zukunft neben vielen positiven Effekten auch große soziale Herausforderungen zu bewältigen haben. Die Chancen, die wir allein durch die Erschließung von Daten für eine patientennahe und angemessene Versorgung haben, werden unser Gesundheitssystem verändern. Und es ist zu hoffen, dass dadurch auch wieder mehr Zeit für das Gespräch zwischen Arzt, Pfleger und Patient bleibt.

Auf dem Berliner Caritaskongress im April 2016 wurde deutlich, dass die christlichen Träger im Gesundheits- und Sozialwesen hier eine besondere Verantwortung tragen. Denn bei aller Faszination und Begeisterung für die Möglichkeiten, die mit der Einführung neuer Technologien verbunden sind, ist Digitalisierung kein Selbstzweck, sondern Mittel für die Sicherstellung einer personenorientierten, bedarfsgerechten und qualitativ hochwertigen Zuwendung zu Menschen, die medizinische, seelische oder soziale Unterstützung brauchen. Nächstenliebe 4.0 ist keine Zukunftsmusik mehr, sondern Gegenwart. Also: Keine Panik!

Der Autor: Martin Fuchs leitet die Unternehmenskommunikation der BBT-Gruppe

1 Comment

  1. Ein Blutdruckmessgerät sollte eigentlich in keinem Haushalt fehlen. Es ist immer gut, wenn man hier was eigenes zur Hand hat. Doch beim Aldi würde ich mir hier sicher kein so ein Teil holen. So ein Messgerät ist eine Anschaffung die über mehrere Jahre hält – da würde ich schon was vernünftiges kaufen und nicht nur auf den Preis achten!

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