re:publica – On- und Offline für eine bessere Welt

Wer glaubt, dass die wichtigste Blogger-Konferenz nur ein Treffen von hunderten Online-Aktivisten ist, druckt wohl noch E-Mails aus.

Von Medien vielbeachtet, von namhaften Sponsoren unterstützt, trafen sich Anfang Mai rund 7.000 Teilnehmer auf der re:publica 15 (und der parallel stattfindenden Media Convention) in Berlin und diskutierten über Perspektiven der digitalen Gesellschaft. Dabei zeigte sich: Die Themen der digitalen Community sind auch die Themen der Gesellschaft – und umgekehrt.

So politisch war die re:publica noch nie – hieß es anerkennend gleich nach dem ersten Tag. Mir selbst fehlen die Vergleiche, weil ich zum ersten Mal dabei war, aber ein paar Eindrücke mögen die Thesen stützen. Schon der Auftakt war perfekt inszeniert und politisch aufgeladen: Die Initiatioren der Konferenz kamen mit „welcome“-Schildern auf die Bühne. Sie ernteten großen Applaus für die Aussage, dass mit dieser Botschaft durchaus auch die Flüchtlinge auf dem Weg nach Europa gemeint seien.
In diese Richtung ließ sich auch der Titel der re:publica interpretieren: „Finding Europe“. Das konnte man nicht nur als Absage an die digitalen Überwachungspraktiken der USA (Stichwort: NSA) verstehen, also als netzpolitisches Issue, sondern auch als gesellschaftspolitisches Statement. „Wir sind wieder von Mauern umgeben“, sagte der Blogger Jonny Haeusler und verglich die innerdeutsche Mauer mit der Abschottung der europäischen Grenzen.

Neue soziale Protestbewegungen

KonferenzWer so politisch denkt, hat auch große Ziele: „Eine bessere Welt ist machbar“, lautete die Botschaft. Gemeint ist da zunächst einmal eine „Netzwelt“ ohne Totalüberwachung, Spionage und Kommerzdruck. Die Freiheit des Individuums drückt sich zunächst in der Möglichkeit anonymer und verschlüsselter Kommunikation aus. Nächster konsequenter Schritt, so der US-Intellektuelle Ethan Zuckerman, sei die Mitwirkung in neuen sozialen Protestbewegungen. Relevante Gesellschaftspolitik ohne die kommunikative und mobilisierende Begleitung durch „Netz-Menschen“ ist immer weniger vorstellbar.

Doch nicht nur die großen sozialpolitischen Diskurse fanden auf der re:publica einen Widerhall, es gab auch viele kleine konkrete Hilfen auf dem Weg beispielsweise zur Inklusion: Dolmetscher unterstützen Menschen mit Hörbehinderung ebenso wie Besucher aus dem Ausland. Auf Stage 1 konnten die Besucher per Live-Untertitel mitlesen, was gesprochen wird. Text und Gebärdensprache ließen sich auch per App oder im Internet live mitverfolgen. „Die re:publica ist eine der wenigen Veranstaltungen, bei der Menschen mit Behinderungen ganz selbstverständlich dabei sein können, wo Inklusion bereits Wirklichkeit ist“, sagt Raúl Krauthausen. Der muss es wissen: Krauthausen ist einer der Initiatoren für wheelmap.org, einer Netzanwendung, die Menschen mit Handicap Zugang zu barrierefreien Orten zeigt.

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