Umfragen auf Facebook:

Wo bleibt der Datenschutz?

Online-Umfragen sind beliebt. Was aber, wenn personalisierte Votings nach der Stimmabgabe öffentlich einsehbar sind? Jana Zöller von der Kölner Caritas hat eine klare Meinung zum neuen Umfrage-Tool von Facebook.

Photo by Tim Bennett on Unsplash

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Facebook verändert sich fast täglich. Das ist manchmal sehr anregend, treibt mich als Social-Media-Redakteurin aber auch schon mal an den Rande des Wahnsinns. „Dieses Mal endlich eine tolle Neuerung“, dachte ich, als Facebook vor einiger Zeit als direkte Auswahloption für unsere Fanpage „Umfrage erstellen“ angeboten hat. Endlich gibt es eine Umfrage, die direkt in der Timeline von den Nutzer(inne)n beantwortet werden kann. Denn wer zuvor eine Umfrage bei Facebook beantworten wollte, wurde immer auf eine externe Seite weitergeleitet – ein Umweg, den unsere Nutzer(innen) nicht gehen wollen.

Nach der Euphorie kam die Ernüchterung

Wir haben also das neue Facebook-Umfrage-Tool getestet – und waren begeistert. Sah gut aus, war einfach, wurde von unseren Abonennt(inn)en angeklickt. Aber dann kam der Schock: Wir haben festgestellt, dass die Ergebnisse der Umfrage öffentlich einsehbar waren. In der Umfrage wollten wir wissen, ob unsere Nutzer(innen) für ein Kopftuchverbot oder dagegen sind – also ein höchst sensibles Thema. Wer selbst abgestimmt hatte, konnte danach ganz einfach durch einen Klick feststellen, welche Person mit „ja“ und welche mit „nein“ gestimmt hatte. Nach Beendigung der Umfrage (wir hatten sie für eine Woche eingestellt), konnte sogar jeder öffentlich die persönlichen Abstimmungsergebnisse einsehen, für uns absolut untragbar!

 

Screenshot von der Facebookseite der Caritas Köln

Screenshot von der Facebookseite der Caritas Köln

 

Einstellungsoptionen für Diskretion: Fehlanzeige

Nach vielen Google-Suchanfragen mussten wir feststellen: Es gibt tatsächlich keine Einstellungen beim Umfrage-Tool, was die Daten unserer Nutzer schützt. Uns blieb also nichts anderes übrig, als die Umfrage schnellstmöglich wieder zu löschen. Wir entschuldigen uns an der Stelle für die kurze Zeit, in der die Antworten einsehbar waren.

Facebook ist mit Sicherheit mal wieder nur an den Daten interessiert – ist ja auch spannend zu wissen, wer welche politische Meinung hat, wie es den Personen geht oder was auch immer man bei Umfragen herausfindet. Das lässt sich toll an Werbekunden verkaufen. Wir sind darüber fassungslos: Hat Facebook denn gerade jetzt bei der aktuellen Debatte nichts Besseres zu tun, als den Datenschutz mal wieder auf Kosten der Nutzer komplett mit Füßen zu treten?


 

Zur Autorin: Jana Zöller arbeitet als Online- und Social-Media-Redakteurin für die Caritas Köln.

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