Wir reden viel über Innovation – aber was bedeutet das im eigenen Team, im eigenen Arbeitsalltag? Wir haben unser Team Digitale Transformation gefragt, wo es gerade reibt: in Projekten, in der Zusammenarbeit, im Umgang mit neuen Tools und Formaten. Und wo hat diese Reibung zuletzt etwas in Bewegung gebracht? Die Antworten zeigen: Auch die, die andere bei der digitalen Transformation begleiten, sind selbst mittendrin.
- Günisigi Zan Diemer, caritas.next: “Für mich beginnt Innovation im Arbeitsalltag oft dort, wo wir bessere gemeinsame Sichtbarkeit schaffen. Wenn viele Organisationen, Perspektiven und Zuständigkeiten zusammenkommen, können selbst gute Ideen ins Stocken geraten. Die Reibung darin hat mir gezeigt, dass nicht nur neue Tools oder Funktionen wichtig sind, sondern auch Strukturen, die Austausch, Überblick und Verbindlichkeit erleichtern.”
- Johannes Landstorfer, Leiter Stabsstelle Digitale Transformation: “Innovation fängt damit an, dass jemand eine gute Idee hat (oder die richtige Frage stellt). Aber Wirkung entfaltet sie erst, wenn sie für andere relevant, von anderen übernommen wird (unternehmerisch: Wenn das Produkt zu den Bedarfen im Markt passt). Wir merken bei unseren Vorschlägen für neue Digital-Strukturen in der Caritas: diese Bedarfe können sehr unterschiedlich sein. Das Beispiel, das bei den einen sofort zündet, sagt Entscheider:innen in anderen Organisationen nichts – weil sie einen anderen Hintergrund haben oder ihre Organisation anders ausgerichtet ist. Wo und wie wir segmentieren und wo wir „für alle“ da sind, ist eine Reibungsfläche für den Bundesverband.”
- Franziska Becker, caritas.next: “Aus meiner Erfahrung heraus weiß ich, dass wirksame Innovation vor allem Fokus auf ein konkretes, relevantes Problem braucht. Im sozialen Bereich ist diese Wirksamkeit noch wichtiger als anderswo. Was mich gerade beschäftigt: In einem großen Verband mit vielen unterschiedlichen Bedarfen und Interessen ist genau diese Fokussierung eine Herausforderung. Ohne sie kommt man nicht ins Handeln. Innovation scheitert selten an fehlendem Willen oder fehlenden Ideen, sondern daran, dass das Priorisieren und Entscheiden so schwierig ist.”
- Stephanie Agethen, caritas.next // Civic Data Lab: “Ich bilde mir manchmal ein, ich weiß, für wen wir bei caritas-digital.de kommunizieren oder wen wir mit einer Kampagne erreichen. Und dann kommt eine Reaktion, die mich korrigiert: eine Nachfrage, ein Zögern, eine Zielgruppe, die sich nicht angesprochen fühlt. Was ich für einen klaren Aufhänger gehalten habe, war meine Projektion. Das ist für mich eine der ehrlichsten Formen von Innovation: nicht das neue Tool, nicht das neue Format – sondern der Moment, wo eine Annahme bricht eine andere Perspektive entsteht. Was hat sich verändert? Ich versuche mehr zuzuhören, mehr nachzufragen, mehr Austausch zu fördern. Nicht „Was wollen wir sagen?” – sondern „Wo steht diese Person, und was braucht sie, um wirklich ins Thema einzusteigen?”
- Lea Böhm, caritas.next: “Mit Blick auf Innovationen für, im und mit dem Verband finde ich immer wieder spannend, wie groß die Spannweite ist zwischen „Das ist eine tolle Idee.“ und „Dafür gebe ich Geld aus.“ sein kann. Gerade in der Wohlfahrt ist der Spagat zwischen Innovationen, die eigene Schmerzpunkte lösen, und Innovationen, die einen gesamtgesellschaftlichen Mehrwert bieten, aber vielleicht keine Wirkung für Kosten oder Einnahmen im Verband haben, deutlich spürbar. Für Innovationen im eigenen Team finde ich wichtig, sich immer wieder selbst zu hinterfragen, ob das neue Tool oder die neue Arbeitsweise wirklich ein bestehendes Problem löst, oder Mehraufwände bedeutet. Die stetige Iteration, ein safe-enough-to-try und der Blick auf den leistbaren Verlust sind hier besonders wichtig.”