Wie ein digitales Daten-Dashboard Pflege-Innovationen sichtbar macht

175 innovative Lösungen für die Pflege – und niemand wusste davon. Bis jetzt.

Stellen Sie sich vor: Sie sitzen in einer Kommissionssitzung und können mittels eines Dashboards quasi in Echtzeit verfolgen, wie sich eine bundesweite Befragung entwickelt. Welche innovativen Ansätze werden eingereicht? Welche Fragen werden wie beantwortet, wie viel Zeit wird benötigt und wo hakt es? Wie ausgewogen ist die Stichprobe und muss gezielt bei bestimmten Trägern nachgehakt werden? Das Dashboard „Lösungswege in der Pflege“ entwickelt von CariData und eingesetzt bei der Umfrage der „Taskforce Versorgungssicherheit in der Pflege”, macht genau das möglich – „übersichtlich, visuell ansprechend aufbereitet und vollkommen ohne komplizierte KI oder spezifisches Programmierwissen auf Seiten der Nutzenden“, betont Dr. Georg Förster von CariData. Es ist ganz einfach: klare Daten, intuitive Bedienung für die Nutzenden und direkte Einsicht in die Daten mittels Echtzeit-Dashboard.

Versorgungssicherheit in der Pflege: Die Ausgangsfrage

Aber zurück zum ursprünglichen Anlass der Umfrage: Was steckt eigentlich hinter dem Begriff Versorgungssicherheit? „Im Kern geht es um eine Frage, die uns alle betrifft: Können wir bei der Caritas mit den Ressourcen, die wir haben, die Bedarfe decken, die sich (zukünftig) stellen? In Zeiten von Fachkräftemangel und einer alternden Gesellschaft wird diese Frage immer drängender“, erklärt Vanessa Lindl aus dem Referat „Teilhabe und Gesundheit“ beim Deutschen Caritasverband. Die Rahmenbedingungen in der Pflege sind und bleiben schwierig – das ist unbestritten. Doch statt nur auf bessere Rahmenbedingungen zu warten, stellte die Taskforce unter der Federführung des Deutschen Caritasverbands und des Verbands der Katholischen Altenhilfe in Deutschland (VKAD) die Frage nun aus einer anderen Perspektive:

Gibt es Lösungsansätze und Best Practices, mit denen Caritas-Einrichtungen und Dienste schon heute besser mit den bestehenden Bedingungen klarkommen können? Was ist möglich – jetzt, mit dem, was wir haben, und wo stoßen wir unweigerlich an Grenzen?

Der Perspektivwechsel: Was läuft bereits gut?

Statt auf Defizite zu schauen, richtete die Taskforce den Blick gemeinsam auf vorhandene Lösungen. Best Practices zeigen: „Innovation in der Pflege geschieht auch außerhalb einer Projektfinanzierung. Oft laufen kreative Ansätze unter dem Radar, weil sie außerhalb der eigenen Bubble nicht sichtbar sind“, so Lindl. Die Taskforce machte es sich zur Aufgabe, genau diese Innovationen zu finden, zu analysieren und gegenseitig sichtbar zu machen. Die zentrale Frage war: Welche Lösungen funktionieren bereits – und sind sie auch auf andere Einrichtungen und Dienste übertragbar?

Gemeinsam statt allein: Verbände ziehen an einem Strang

Ein entscheidender Erfolgsfaktor lag in der engen verbandlichen Zusammenarbeit: Deutscher Caritasverband (DCV), Diözesan-Caritasverbände (DiCVen), Orts-Caritasverbände (OCVen) sowie die FachverbändeVerband katholischer Altenhilfe in Deutschland e. V. (VKAD), Caritas Behindertenhilfe und Psychiatrie e.V. (CBP) und Katholischer Krankenhausverband Deutschland (KKVD) – ALLE zogen an einem Strang. Die Fachverbände waren von Beginn an sehr intensiv in die Taskforce eingebunden, bei laufender Arbeit. Diese breite Aufstellung sorgte für Reichweite und Verteilung, Glaubwürdigkeit und Beteiligung.

Nicht ein einzelner Verband fragte, sondern quasi die katholische Pflege-Community fragte gemeinsam. Das schuf Vertrauen und Motivation zur Teilnahme.

558 Stimmen aus der Praxis: So funktionierte die Befragung

Wie findet man diese versteckten Innovationen? Durch eine bundesweite professionelle Befragung bei Trägern, Einrichtungen und Diensten. Die Befragung kombinierte offene Textfelder für qualitative Einblicke mit geschlossenen Fragen für quantifizierbare Daten. Niedrigschwellig im Zugang, damit möglichst viele teilnehmen können – strukturiert in der Auswertung, damit die Rückmeldungen sinnvoll genutzt werden können.

Die Resonanz war beeindruckend:

  • Knapp 900 Besucher auf der Landing-Page
  • 558 Teilnehmende an der Befragung
  • 175 konkrete Lösungsansätze und Best-Practice-Ideen

Das Dashboard: Transparenz und Validierung in Echtzeit

Während der Befragung lief parallel das bereits erwähnte Dashboard – ein kontinuierliches Monitoring, das den Prozess validierte und für alle Beteiligten transparent machte. Das Tool diente dabei nicht nur der visuellen Darstellung, sondern auch der Validierung des Befragungsprozesses selbst. Die Mitglieder der Kommission sowie die Organisatoren hatten einen echten Mehrwert: einen Live-Eindruck, einen kontinuierlichen Überblick über den Stand der Befragung. Sie konnten sehen, welche Themen bewegen, wie sich Antwortmuster entwickeln, wo Trends erkennbar werden.

Best Practice Pflege: 175 innovative Lösungswege

Doch die Befragung und das Dashboard allein reicht nicht. Als 175 Best-Practice-Beispiele und Lösungswege eingereicht wurden, stand die Taskforce vor der Herausforderung: Wie filtert man möglichst einfach aus dieser Fülle die vielversprechendsten Ansätze heraus – und zwar ohne das Durchforsten einer unendlich langen Excel-Liste?

Ideen gibt es viele in der Pflege – aber wie begutachtet, beurteilt und bewertet man sie in der Menge?

Die Antwort: Ein digitales Rankingtool für die Kommissionsmitglieder.

Transparent, nachvollziehbar, demokratisch. Die Mitglieder konnten sich in einer nutzerfreundlichen Ansicht durch die eingereichten Lösungswege navigieren und diese dann auf einer Skala von 1 bis 5 bewerten, wie innovativ sie den jeweiligen eingereichten Vorschlag fanden und wie relevant die Lösung für sie ist.

Das einfache digitale Rankingtool von CariData machte den Unterschied und führte zu einem weiteren Vorteil: Nicht nur konnten so Ideen gesammelt werden, sondern diese auch von Fachpersonen strukturiert priorisiert werden. Die quantitative Bewertung hat dabei die gemeinsame qualitative Auswertung durch die Task Force nicht ersetzt, aber vorbereitet und handhabbar gemacht.

Die Lösungswege: Innovationen, die überzeugen

Das Ergebnis des Rankings: Viele der eingereichten Lösungswege waren bekannt, in den lokalen Ausprägen z.T. aber neu. Einige waren in der individuellen Konzeption vor Ort neu und drei waren selbst Fachleuten weitgehend unbekannt.

Darunter fanden sich Lösungen wie:

  • Trägerübergreifende Springerpools: Schaffung flexibler Personalressourcen über Einrichtungsgrenzen hinweg. Statt eigene Reserven vorzuhalten, teilen sich mehrere Träger unter dem Dach der Caritas einen Pool – Engpässe werden gemeinsam abgefedert, Ressourcen effizient genutzt, die Mitarbeitendenzufriedenheit gestärkt und der Rückgriff auf Leiharbeit reduziert.
  • Pflegeübungszentren und Pflegeübungswohnmobil: Pflegebedürftige und auf Wunsch auch deren An- und Zugehörige ziehen für bis zu drei Wochen in ein barrierearmes Apartment des Pflegeübungszentrums und lernen unter realen Bedingungen, was es für die Versorgung zuhause braucht. Ein Großteil der Menschen lebt anschließend wieder im eigenen zuhause.
  • Servicewohnen Plus: Ein-Raum-Apartments mit Terrasse, Bad und Kitchenette für selbstbestimmtes Wohnen im Alter. Gemeinschaftsräume fördern Nachbarschaft, die Caritas-Sozialstation ist im Haus. Pflegekräfte bieten bedarfsgerechte Leistungen – Autonomie und Sicherheit vereint.Zugleich werden Sektorengrenzen überwunden, indem Fachkräfte aus der ambulanten und der stationären Tour zusammenkommen.
  • Schwarzwald-Care: Hier wird das Modell der IstZeitPflege (Leistungen werden also nach Zeitbudget, nicht nach Modulen abgerechnet) für den ländlichen Raum erweitert durch DigitalCare. Für ländliche Regionen mit weiten Anfahrtswegen werden Kommunikationssysteme bei der pflegebedürftigen Person zuhause installiert, sodass der Pflegedienst für ausgewählte Leistungen zentral agieren kann, wodurch Anfahrtswege reduziert werden können. 

Diese Beispiele zeigen: Innovative Lösungen sind da. Sie müssen nur sichtbar gemacht und geteilt werden.

Dashboard Pflege: Transparenz in Echtzeit

Am Ende stand nicht nur eine Datensammlung, sondern verwertbares Wissen für die gesamte Caritas-Pflege-Community:

  • 175 Best Practices als Innovationsdatenbank: Übertragbar und kostengünstig umsetzbar, dokumentiert für alle Teilnehmenden
  • Vorstellung in einem Web-Talk Anfang Dezember: Um die Erkenntnisse in den Dialog zu bringen und den Austausch zu fördern
  • PDF-Dokumentation der Umfrageergebnisse: Für alle Interessierten zugänglich und nutzbar

Die enge Zusammenarbeit von Dr. Georg Förster (CariData) und den Pflegeexpert:innen aus der Taskforce Versorgungssicherheit konnte eindrücklich zeigen: Mit den richtigen methodischen Tools – strukturierte Befragung, Echtzeit-Dashboard und Rankingtool – können wir digitale Kommunikation, kollektive Innovationen, Wissensmanagement, Organisationsentwicklung und Datenkultur innerhalb des Verbandes fördern, sichtbar und nutzbar machen. Nicht theoretisch, sondern ganz konkret. Nicht irgendwann, sondern zeitnah. Ein wichtiger Erfolgsfaktor war dabei die Kombination aus der Fähigkeit, selbst schnell technische Lösungen entwickeln zu können, und der guten Kommunikation mit den Fachleuten, um deren Anforderungen zu verstehen und passgenaue Tools umzusetzen.

Sechs Prinzipien für die Übertragbarkeit auf andere Themenfelder innerhalb des Verbandes

Das Spannende für die Praxis: Die Methodik der Befragung ist übertragbar auf verschiedene Bereiche der Caritas. Ob auf Ebene einer Einrichtung, eines Dienstes, eines regionalen Netzwerks oder eines Verbands – die Prinzipien funktionieren:

  1. Niedrigschwellige Beteiligung: Offene und geschlossene Fragen kombinieren, um möglichst viele Stimmen einzufangen
  2. Transparenz in Echtzeit: Ein Dashboard zur Prozessvalidierung nutzen, das allen Beteiligten Einblick gibt
  3. Strukturierte Priorisierung: Ein Rankingtool einsetzen, um aus vielen Ideen die besten zu identifizieren und demokratisch zu priorisieren
  4. Breite Einbindung: Alle relevanten Akteure und Multiplikatoren von Anfang an mitnehmen und ernst nehmen
  5. Sichtbarmachung: Vorhandene Lösungen dokumentieren und teilen, damit andere davon profitieren können
  6. Agile Entwicklung im Dialog: Die Fähigkeit, technische Lösungen schnell zu entwickeln, gepaart mit guter Kommunikation zwischen Entwicklern und Fachexperten, um Anforderungen präzise zu verstehen und umzusetzen

Fazit: Die Tools stehen bereit

175 Best-Practice-Beispiele sind ein beeindruckender Anfang. Sie zeigen: In der Caritas passiert viel Gutes – es muss nur sichtbar gemacht werden. Die Taskforce Versorgungssicherheit hat einen Weg aufgezeigt, wie das systematisch und professionell gelingen kann.

Sie möchten mehr über die Methodik erfahren? Melden Sie sich gern bei Anna Steinfort (anna.steinfort@caritas.de) oder Dr. Georg Förster (georg.foerster@caritas.de) per Mail.

Hier geht es zum Diskussionspapier “NACHHALTIGE VERSORGUNGSSTRUKTUREN IN DER PFLEGE. Verbandliche Lösungswege und politische Lösungsbedarfe” vom Deutschen Caritasverband und VKAD.

Autorin: Stephanie Agethen

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