„Wir schalten jetzt live nach Datteln …”

Drei Reporter vor Ort, drei Smartphones, eine Regie und was sonst noch hinter dem ersten Livestream von der Aktion „Eine Million Sterne” steckte.  

Seit Jahren gibt es die Aktion „Eine Million Sterne” von Caritas international, bei der an rund 80 Orten in Deutschland an einem Samstag im November Kerzen aufgestellt werden – und damit unter anderem Spenden für ein Projekt von Caritas international gesammelt wird.

Die Online-Berichterstattung lief bisher vor allem über Fotos, die im Nachhinein auf der Homepage und bei Flickr veröffentlicht wurden. Außerdem begleiteten wir die Aktion auch über eine Tagwall, auf der wir Postings mit dem Hashtag #einemillionsterne bündelten.

Eigentlich wollten wir nur ein Lichtlein live übertragen

Die youngcaritas Frankfurt hatte sich für 2016 eine besondere Aktion für „Eine Million Sterne“ ausgedacht: Sie hatte Jugendliche aufgerufen, Videoclips mit Lichtern zu erstellen und diese per WhatsApp einzuschicken. 1.807 kamen zusammen und wurden als Installation auf Bildschirmen in der Innenstadt 999.999 Mal ausgespielt. Das millionste Licht sollte am Aktionstag real an einer Kerze entzündet werden. Diesen Moment wollten wir ohne großen Aufwand live auf Facebook zeigen (vgl. Facebook-Live für Einsteiger)Bei der Feinplanung entstand dann die Idee, die Übertragung auf mehrere Aktions-Standorte auszuweiten. Schnell war klar: Ohne Studio-Regie und eine Moderation würde das nicht funktionieren.

Auf eine gute Vorbereitung kommt es an …

Am Ende war der Livestream eine Gemeinschaftsproduktion von Caritas international, dem Deutschen Caritasverband und der youngcaritas Deutschland. Er wurde auf der Facebookseite der Caritas Deutschland „gesendet”, da diese mit 29.000 Fans die größte Caritas-Reichweite hat. Das Posting mit dem Livestream wurde auf den Facebookseiten von Caritas international und youngcaritas Deutschland geteilt.

Wir entschieden vor Ort mit Handys zu filmen, die wir mit Kopfhörern und Headsets ergänzten. Die technische Ausstattung des Studios beschreibt Moritz Bross in seinem Beitrag.

Inhaltlich versuchten wir die Zeitpläne der drei Veranstaltungen abzugleichen und im Vorfeld einen groben Drehplan zu erstellen. Wir vereinbarten, dass die drei Außenreporter selbst im Bild erscheinen und sich dann Interviewpartner suchen sollten. Außerdem entschieden wir uns gegen eine bei Facebook mögliche Nachbearbeitung des fertigen Videos.

… live ist im Zweifelsfall alles anders 

Anders als bei Liveübertragungen im Fernsehen wurde das Programm der Aktionen vor Ort nicht nach „unseren Anforderungen” gestaltet. Die Reporter mussten flexibel sein und schauen, wann sie sich einklinken und wie sie ihre Gesprächspartner(innen) erwischen. In Freiburg und Datteln war das weniger problematisch, da das offizielle Programm bereits vorüber war. In Frankfurt, wo wir über das laufende Programm berichteten, waren die Umgebungsgeräusche lauter und das Interview entsprechend kurz. Die einzelnen Reporter vor Ort hätten das ohne zusätzliche Regie kaum geschafft.

Bei „Eine Million Sterne“ immer Thema: Beleuchtung! Einerseits soll die heimelige Atmosphäre im Kerzenschein rüber kommen, andererseits sollten die Interviewten zu sehen sein. In Freiburg wurde das zum Beispiel über eine zusätzliche Leuchte an einem Handystick gelöst.

Manche Dinge merkt man erst während der Sendung, trotz technischer Probe vorher: Kopfhörer sind unbedingt erforderlich um mit der Regie kommunizieren zu können!

 

Cool wird es, wenn sich die Community beteiligt

Die Schaltung an drei Aktionsstandorte sollte das Gefühl vermitteln: Wir sind Teil einer großen bundesweiten Aktion. In den Kommentaren des Livestreams haben einige Zuschauer(innen) die Gelegenheit genutzt, Fotos von anderen Orten zu posten oder Grüße zu senden – dadurch entstand tatsächlich eine Verbundenheit quer durchs Land.

 

Maximal 58 Leute schauten zeitgleich den Livestream. Die Aufzeichnung erzielte im Nachgang noch weitere Views: Insgesamt 8.500 Personen haben sich das Video inzwischen angesehen. Es gab 1.000 Interaktionen, davon waren 65 Kommentare und es wurde 100 mal geteilt.

Großer Lerneffekt mit überschaubarem Aufwand

Im Livestream tolerieren die Zuschauer(innen) vieles, was in bearbeiteten Videos unprofessionell wirken würde – weil dadurch ein authentischer Einblick in Veranstaltungen möglich ist. Allerdings ist es schwierig, die Leute eine halbe Stunde lang live zu unterhalten.

Zur Halbzeit des Streams hatten wir zum Beispiel unter anderem aufgrund technischer Probleme Phasen, in denen die Spannung deutlich abfiel. Die Interviews mit Hintergrundinformationen am Anfang aus Freiburg, die O-Töne der marokkanischen Kollegen in der Mitte und der Countdown für das millionste Licht der jungen Engagierten waren sehenswert und unterhaltsam.

Der Livestream war ein Experiment, das wir ohne zusätzliches Budget und mit einem überschaubaren Aufwand als Gemeinschaftswerk von drei Teams realisiert haben – und bei dem wir viele Erfahrungen sammeln konnten. Wenn es von den Rahmenbedingungen her möglich ist, wird es bei der Eine-Million-Sterne-Aktion am 18. November 2017 bestimmt wieder einen Livestream geben.

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