Best Practice: Argumentieren mit Daten

In der Blogkategorie “Best Practice” zeigen wir Beispiele aus der Caritas-Welt, in denen Daten aus der täglichen Arbeit sinnvoll eingesetzt werden konnten, um weiterführende Ziele zu erreichen. Diesmal konnten wir Martina Schlebusch und Merhawit Desta interviewen, die eine Datenauswertung zur Flüchtlingshilfe im Bistum Limburg von 2017-2020 durchgeführt und als Power-Point Präsentation aufgearbeitet haben. In den Beratungsstellen wurde die Arbeit in crea-client dokumentiert und die Auswertung wurde für den Beirat “Willkommenskultur für Flüchtlinge im Bistum Limburg” angefertigt.

v.l.n.r.: Merhawit Desta (Referentin für Migration und Sozialrecht) und Martina Schlebusch (Referentin für Migration, beide DiCV Limburg)

Was war der Gegenstand Ihres Auswertungsprojektes?

Im Zeitraum von 2014 bis 2021 führte das Bistum Limburg ein eigenes Willkommenskulturprojekt für Flüchtlinge durch. Das Projekt „Willkommenskultur für Flüchtlinge“ mit einem Finanzvolumen von 5,8 Mio. Euro bestand aus verschiedenen Arbeitsfeldern wie z.B. Flüchtlingsberatung, Ehrenamtskoordination und politische Lobbyarbeit. Ziel des Projekts war die nachhaltige Unterstützung von geflüchteten Menschen.

Insbesondere die Förderung der Flüchtlingsberatung ist in Hessen von großer Bedeutung. Außerhalb der bundesgeförderten Migrationsberatung für Erwachsene gibt es keine Beratungsstrukturen, die alle Zielgruppen einschließen. Insofern hält das Bistum hier ein Angebot vor, das einige weiße Flecken auf der Beratungslandkarte abdeckt.

Was waren Anlass und Ziel Ihres Auswertungsprojektes?

Wir wollten zeigen, dass die Flüchtlingsberatung ein wichtiger Baustein zur nachhaltigen Unterstützung von Flüchtlingen ist. Es war der Wunsch unseres Generalvikars und des Diözesancaritasdirektors wichtige Eckdaten dieses Angebots über einen längeren Zeitraum, sozusagen als Entwicklung, zu erfassen und auszuwerten.

Es war uns wichtig, dass dieses Beratungsangebot auch nach Abschluss des Willkommenskulturprojekts weitergeführt wird. Dass die weißen Flecken in der Beratungslandschaft nicht noch größer werden. Das Bistum Limburg hat sich gegen Ende des Projekts dafür entschieden, Teile der Flüchtlingsberatungsstellen für weitere fünf Jahre zu fördern – wir konnten unser Argumentationsziel also zum Teil erreichen.

Wie sind Sie vorgegangen und welche Daten haben Sie einbezogen?

Zunächst gab es im Beirat „Willkommenskultur für Flüchtlinge“ den Beschluss, Klient_innendaten mittels elektronischer Akte systematisch zu erfassen. Hierfür wurde das Erfassungsprogramm crea-client in den Flüchtlingsberatungsstellen installiert.
Im zweiten Schritt haben wir gemeinsam mit den Beratenden und Projektverantwortlichen definiert, welche Items in die Jahresstatistik der Flüchtlingsberatung einfließen. Die Klient_innenstatistik wurde einmal pro Jahr ausgewertet.
Darüber hinaus haben wir kleine Fallstudien an den Beratungsstandorten durchgeführt. Dazu gehörten intensive Gespräche mit den Beraterinnen und Beratern. Wesentliches Ergebnis waren positive Fallbeispiele aus der Beratung, die wir in die Präsentation aufgenommen haben. Diese Erkenntnisse haben unseren quantitativen Datenschatz qualitativ ergänzt und aufgewertet.
Darüber hinaus haben wir auf Daten des Regierungspräsidiums Darmstadt zurückgegriffen, die Aufschluss darüber gaben, wie hoch die Zuzugszahlen von Geflüchteten in den einzelnen Landkreisen und Kreisfreien Städten waren.

Wie haben Sie Ihre Ergebnisse präsentiert?

Wir haben eine Power Point-Präsentation erstellt und Grafiken aus Excel-Auswertungen einbezogen. Dabei war es uns wichtig, wenige wichtige zentrale Ergebnisse zu präsentieren und die Kernbotschaft zu transportieren, dass die kirchlich geförderte Flüchtlingsberatung diejenigen Menschen unterstützt, die sonst kaum auf alternative Unterstützungsmöglichkeiten zugreifen können. Damit werden Perspektiven auch für Menschen mit einer sogenannten „schlechten Bleibeperspektive“ eröffnet. Diese sind oft integrationspolitisch vernachlässigt, bleiben aber faktisch zum großen Teil dauerhaft in Deutschland.

Was war schwierig oder herausfordernd für Sie?

Die eigentliche Schwierigkeit bestand darin, die Fülle von Daten und Erkenntnissen, die uns vorlag so zu strukturieren und zu präsentieren, dass die zentralen Erkenntnisse wirklich transportiert werden konnten. Wir wollten unsere Adressat_innen erreichen. Dies war letztlich nur möglich, indem wir uns reduziert haben auf das Wesentliche.

Was braucht es Ihrer Meinung nach, um so ein Projekt gut durchzuführen?

Es muss Menschen geben, die von Beginn an ein echtes Interesse daran haben zu erfahren, wie sich das Projekt im Verlauf der Jahre entwickelt und welches Ergebnis am Ende steht. Sachberichte allein reichen für diesen Erkenntnisgewinn nicht aus.

Ganz wichtig ist die systematische Datenerfassung von Anfang an. Die Daten müssen nicht umfangreich sein, aber sie sollten Auskunft geben über zentrale Eckdaten wie z.B. in unserem Fall die erreichte Zielgruppe, deren Aufenthaltsstatus, die Themen der Beratung. Dazu benötigt man im besten Fall eine geeignete Software wie z.B. Crea Client. Alle müssen sich schließlich darauf einlassen, diese Daten dauerhaft zu erfassen und kontinuierlich auszuwerten.

Die Daten müssen nicht umfangreich sein, aber sie sollten Auskunft geben über zentrale Eckdaten.

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Welche Tipps wollen Sie anderen für ihre Datenprojekte mitgeben?

Sich zu fokussieren auf zentrale Fragen, die sie zum Projekt beantworten wollen. Weniger ist hier manchmal mehr. Wichtig ist eine von Anfang an installierte Datenerfassungsstruktur, die aussagekräftig ist und niemanden überfordert.

Die Präsentation von Frau Desta und Frau Schlebusch kann auf der Webseite des Fachbereiches Migration beim DiCV Limburg unter diesem Link heruntergeladen werden: www.dicv-limburg.de/cms/contents/dicv-limburg.de/medien/dokumente/datenauswertung-flue/2021_2_11_wikoku_praesi_mdesta_msch.pdf?d=a&f=pdf

Das schriftliche Gespräch führten Edith Scheifele und Angela Berger vom Projekt Lernende Systeme in der Beratung mit

Martina Schlebusch, Referentin für Migration, Caritasverband für die Diözese Limburg, Studium der Sozialwissenschaften mit Schwerpunkt Empirische Sozialforschung. Mitarbeit an diversen wissenschaftlichen Studien und Evaluationen, vorrangig zum Thema Integrationsangebote für Zugewanderte in Deutschland.

und

Merhawit Desta, Referentin für Migration und Sozialrecht, Caritasverband für die Diözese Limburg, Studium der Rechtswissenschaften. Volljuristin und ausgewiesene Expertin in Asyl- und Aufenthaltsrecht.

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