Gemeinsam können wir mehr – wie Daten für bessere Vernetzung und bessere Beratung sorgen

Zu sehen ist eine mögliche Verbindung von Beratungs und Technik mit zwei Menschen im Gespräch im Vordergrund und einer dritten Person im Hintergrund, die per Videokonferenz dazugeschaltet ist.
Foto: Deutsche Bahn Stiftung/Oliver Lang

Die Caritas Migrationsberaterin Ewa Safar sitzt in ihrem Büro und erwartet Frau Iwanowa, die gestern online einen Termin für heute gebucht hat. Die beiden kennen sich schon gut, denn Frau Iwanowa findet schon seit einigen Jahren Unterstützung in der Berliner Migrationsberatungsstelle. Heute kommt Sie mit einem neuen Anliegen: Sie ist schwanger und hat gehört, dass man als werdende Mutter Anspruch auf staatliche Unterstützung hat. Ihre Beraterin Frau Safar kann ihr einen ersten Überblick geben, ist aber selbst keine Fachfrau auf dem Gebiet. Daher zieht sie in der Beratung das CariNet zu Rate. Dort gibt sie ihre Frage ein: „Welche staatliche Unterstützung erhält eine Schwangere ausländische Bürgerin mit Aufenthaltserlaubnis?“

Sie findet einen ersten Überblicksartikel und eine Reihe von weiterführenden Informationen. Außerdem werden ihr die Kontaktdaten und zeitlichen Verfügbarkeiten von Schwangerenberater:innen aus ihrem Bezirk angezeigt.

Die Beraterin Frau Safar druckt den Überblicksartikel aus, damit ihn Frau Iwanowa direkt mitnehmen kann. Sie fragt Frau Iwanowa, ob es in Ordnung ist, wenn sie eine Expertin aus der Schwangerschaftsberatung hinzuzieht und welche Teile aus der bishrigen Beratungsdokumentation sie ihr dafür zugänglich machen würde. Frau Iwanowa findet das äußerst hilfreich, stimmt zu und gemeinsam suchen sie einen freien Termin mit einer Kollegin von der Schwangerenberatung in der Nähe von Frau Iwanowas Wohnung.

Frau Iwanowa ist zufrieden und gut beraten. Frau Safar hat nach der Beratung keinen Rechercheaufwand und braucht nur noch einen kurzen Vermerk in ihrem Dokumentationssystem zu machen.

Die Arbeitswelt von Frau Safar mag für manche Sozialarbeiter:innen märchenhaft klingen: Alle Informationen sind ohne viel Aufwand bei der Hand und es gibt keinen Zeitverlust durch Hinterhertelefonieren mit Umwegen über Anrufbeantworter. Frau Safar kann sich ganz auf ihre Klientin konzentrieren.

Rein technisch gesehen kommt das Märchen ohne Zauberei aus. Vernetzen die vielen Caritas-Beraterinnen und –Berater ihr Wissen und ihre Informationen, auch ihre Termine, wird vieles möglich und leichter. ”Datengestützes Arbeiten”, wie man es auch nennen könnte, hilft auch in der sozialen Arbeit. Die sensiblen persönlichen Daten oder Gesprächsinhalte sind dafür nicht notwendig und bleiben weiter geschützt. Potential für eine bessere Beratung steckt für die Caritas gerade dort, wo es um Prozessinformationen, Termine, Wissen geht. Das Suchsystem könnte aus den Anfragen und der Nutzung “lernen” – z.B. dass es beim Stichwort “ausländisch” darauf ankommen kann, ob die Person beispielsweise aus der EU kommt oder nicht. Künftig würden Ergebnisse genau dazu mit angeboten – dann wären wir schon in einem Szenario, in dem automatisierte Systeme (oder auch “Künstliche Intelligenz”) eine Rolle spielen kann.

Das Projekt „Datenbasierte, automatisierte Beratungs-Unterstützung“

In welchen Szenarien wirklich praktischer Nutzen steckt und wie wir eine entsprechende Datenlage in der Caritas erreichen können – das untersuchen wir im Projekt „Datenbasierte, automatisierte Beratungs-Unterstützung“.

In Zusammenarbeit mit einer Agentur erarbeiten wir:

  • was Beratenden vor Ort den größten Nutzen im Hinblick auf Ihre Informationsbedarfe und angepasst auf ihre Arbeitsabläufe bringen kann.
  • welche Daten in welcher Strukturiertheit wir haben und welche wir für die Szenarien benötigen. Dazu gehört auch die Frage, wie wir die Daten innerhalb des Verbandes teilen und verbinden wollen.
  • wie wir das CariNet in seiner Benutzeroberfläche so aufbauen können, dass es für Beratende ein hilfreicher Interaktionspunkt und zugleich als technischer Knotenpunkt für unterschiedliche Daten sein kann.

Als Ergebnis entsteht neben vielen Erkenntnissen ein Demonstrator, mit dem wir darstellen wollen, welcher konkrete Einsatz einer datenbasierten Technologie realistisch zur Unterstützung von Beratenden zum Einsatz kommen kann. So kann das gemeinsame Wissen der Caritas Ratsuchenden noch besser zu Gute kommen.

Dabei gilt für uns der alte Grundsatz: “öffentliche Daten nützen, private Daten schützen.” Viele Daten entstehen in der Arbeit der Caritas bereits heute, auch ohne persönlichen Bezug, werden aber kaum genutzt. Im Projekt suchen wir Technologien, die unterstützen und durch Automatisierungen Zeit für das wirklich wichtige zu schaffen: Den sozialen Kontakt zu unseren Ratsuchenden.

Das Projekt „Datenbasierte, automatisierte Beratungs-Unterstützung“ läuft von November 2020 bis Juni 2021 und soll als erstes von mehreren Modulen die Instrumente, vor allem aber die Kompetenz zum Umgang mit Daten in der Caritas und in der Wohlfahrt aufbauen.
Es wird dafür vom BMFSFJ gefördert.

Es ist ein gemeinsames Lernprojekt und braucht eure Rückmeldung

Eure Rückmeldung dazu interessiert uns! Daher veröffentlichen wir regelmäßig Ergebnisse und Termine in der Arbeitsgruppe “Lernende Systeme” im CariNet, die für alle CariNet-Nutzer:innen offen ist.

Natürlich könnt ihr auch direkt Johannes.Landstorfer@caritas.de oder Angela.Berger@caritas.de kontaktieren.

Mehr zum Thema “Lernende Systeme und KI in der sozialen Arbeit” gibt es auch auf der Projektseite unter: caritas-digital.de/projekte/lernende-systeme-in-der-beratung

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