Ziel des Projekts:
Der Zugang zu Internet und Strom ist für wohnungslose Menschen bedeutsam und manchmal schwer herzustellen. Gleichzeitig wünschen sich Menschen, die das Vertrauen in die Herkunftsfamilie, das Hilfesystem, den Staat oder die Gesellschaft verloren haben, konkrete Personen, zu denen sie wieder eine Beziehung aufbauen können und die sie unterstützen. Daher sollte der Smart Kiosk wohnungslosen jungen Menschen mehr Teilhabe in der Stadtgesellschaft ermöglichen. Entwickelt wurde der Kiosk gemeinsam vom Don Bosco Jugendwerk Nürnberg und der Technischen Hochschule Nürnberg Georg Simon Ohm (Ohm).
Der zentral in der Pfannschmiedsgasse gelegene und in die Stadtgesellschaft integrierte Smart Kiosk bietet digitale Teilhabe, da er eine Auflademöglichkeit für Smartphones sowie einen Zugang zu kostenfreiem WLAN ermöglicht. Ein Computerterminal im Inneren des Kiosks kann zudem für Recherchen oder zum Ausdrucken und Scannen von Dokumenten genutzt werden. Außerdem können wohnungslose junge Menschen Beratung sowohl von einer Fachkraft der Sozialen Arbeit als auch von einer Person mit Wohnungslosigkeitserfahrung (Peer) erhalten.
Durch den zentralen Standort des Smart Kiosks ist eine gute Erreichbarkeit für wohnungslose junge Menschen gewährleistet. Er ermöglicht zudem eine Vernetzung mit anderen relevanten Akteur*innen der Hilfelandschaft und schafft dadurch einen Ort, an dem Menschen aus verschiedenen Milieus der Stadtgesellschaft zusammenkommen und sich austauschen können.
Die Idee, digitale und analoge Elemente der Unterstützung zu verbinden, entstand in dem mehrjährigen und vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Forschungsprojekt Smart Inklusion für Wohnungslose (SIWo). Gemeinsam mit dem Don Bosco Jugendwerk Nürnberg konnte nun der Smart Kiosk realisiert werden, um den Kontakt zur Zielgruppe der wohnungslosen Menschen niedrigschwellig an einem zentralen Ort herzustellen und deren Teilhabechancen an der urbanen Infrastruktur zu verbessern.
Das Projekt wird durch die Ohm wissenschaftlich begleitet. Am Projekt sind neben den Projektleiter*innen Prof. Dr. Frank Sowa und Dr. Nora Sellner die Forschenden Prof. Dr. Carolin Freier, Tanja Holzmeyer und Akim Gubara Faragalla Jack von der Fakultät Sozialwissenschaften sowie Prof. Dr. Patrick Harms und Katrin Proschek vom OHM UX beteiligt. Das Projekt wird aus Mitteln des Bayerischen Staatsministeriums für Familie, Arbeit und Soziales sowie durch die Stiftung Obdachlosenhilfe Bayern gefördert.
Zusammenfassung
Frank Sowa, Nora Sellner, Akim Gubara Faragalla Jack und Tanja Holzmeyer: Smart Kiosk (Digitale) Teilhabe für wohnungslose, junge Menschen in der Stadtgesellschaft aus Schriftenreihe 6 - https://opus4.kobv.de/opus4-ohm/frontdoor/index/index/docId/1552
In dem vom 1. Dezember 2022 bis 30. November 2023 laufenden Forschungsprojekt ‚Smart Kiosk‘: (Digitale) Teilhabe für wohnungslose, junge Menschen in der Stadtgesellschaft der Technischen Hochschule Nürnberg Georg Simon Ohm wurde das gleichnamige Praxisprojekt von Don Bosco Jugendwerk Nürnberg wissenschaftlich begleitet. Im Zuge des Modellvorhabens konnte ein Angebot in Form eines besonderen Kiosks in der Nürnberger Fußgängerzone aufgebaut werden, der einerseits mit Hilfe einer öffentlichen WLAN- und Ladestation den Zugang zu Strom und Internet sichert und andererseits ein niedrigschwelliges Beratungsangebot durch sozialarbeiterische Fachkräfte und eine*n Peer-Berater*in für wohnungslose und obdachlose Menschen offeriert. Der Fokus der Forschung lag dabei auf den Phasen der Projektinitiierung, der Projektplanung sowie den ersten Wochen der Projektumsetzung. Im Sinne eines ethnografischen Forschungsdesigns konnten leitfadengestützte Interviews, eine Gruppendiskussion und teilnehmende Beobachtungen trianguliert werden, um erweiterte Erkenntnisse über den Forschungsgegenstand Smart Kiosk zu erzielen sowie die Perspektiven der Hilfeanbieter*innen und potenziellen Nutzer*innen zu berücksichtigen.
Die Ergebnisse zeigen deutlich auf, dass der Smart Kiosk enorme Potenziale für eine Anlaufstelle für wohnungslose Menschen im Zentrum der Stadt hat und er sich zu einem entstigmatisierenden Kommunikationsort entwickeln kann, der offen für eigene Relevanzsetzungen durch verschiedene Zielgruppen ist. Die potenziellen Nutzer*innen sehen in dem Smart Kiosks eine zentrale Anlaufstelle für junge Menschen in Wohnungsnot, der die Chance bietet, in unterschiedlicher Weise kurzfristig und unbürokratisch Beratung, Unterstützung und Begleitung erfahren zu können. Daraus ergibt sich ein Möglichkeitsraum für (digitale) Teilhabe der Zielgruppe, der jedoch auch aus Sicht der Nutzer*innen nur durch adäquate personelle, finanzielle und zeitliche Ressourcen realisiert werden kann. Es zeigt sich, dass ein hoher (politischer) Erwartungsdruck mit Modellprojekten einhergeht, der durch begrenzte Fördermittel für Personal und Sachkosten, kurze Förderlaufzeiten, Herausforderungen durch den Projektstandort im öffentlichen Raum und der Erwartung, eine Regelfinanzierung nach der Projektlaufzeit zu erzielen, enormen Stress bei Hilfeanbieter*innen erzeugen kann. Paradoxerweise kommt es zur Erwartung von maximalem Erfolg von Modellversuchen bei knappen Ressourcen von Personal und Zeit, sowie eingeschränkten Möglichkeiten der Qualitätssicherung. Zusätzlich wird deutlich, dass freie Träger*innen Ausgrenzung und Abwertung erfahren, wenn sie versuchen Projekte für benachteiligte Gruppen, wie die der jungen wohnungslosen Menschen, sichtbar im innerstädtischen Bereich zu etablieren.