SEO für NGOs #2:
„Gute Inhalte haben immer die Nase vorn”

Gefunden werden im Web: Das ist für die meisten Webauftritte von NGOs überlebenswichtig – gerade, wenn es darum geht Spenden einzusammeln. Doch wie sieht gutes SEO im Jahr 2017 aus? Der Suchmaschinen-Experte Tobias Willmann gibt im zweiten Teil unseres Interviews Tipps für die Auffindbarkeit von Nonprofits bei Google und Co.

 

Was kann ich im Bereich SEO selbst optimieren, wo brauche ich eventuell einen Profi?

Als größere Organisation würde ich SEO nicht nebenher machen. Entweder jemanden einstellen, der sich darum professionell kümmert oder zumindest für die Strategie und Schulungen einen Profi mit ins Boot holen. SEO ist ein Zusammenspiel aus Redakteuren, IT und Marketing. Wenn die Strategie gut ist und passgenaue Tickets für die IT erstellt wurden, kann das auch erstmal abgearbeitet und geprüft werden.
Es gibt immer einen Punkt, ab dem es sinnvoll ist, statt eine Agentur zu beauftragen, eine interne Stelle für SEO zu schaffen. Am Ende kommt es beim Selbstoptimieren auf das Know-how an. Wichtig: Das Wissen muss aktuell sein. Alte SEO-Mythen geistern manchmal noch viel zu lange durchs Netz und viele tendieren dazu, Google austricksen zu wollen. Man kann sich auch sehr schnell in Tasks verlieren, von denen man sich viel verspricht, die aber wenige Erfolge erzielen.

SEO als eigenständiges Studienfach gibt es bislang nicht an deutschen Hochschulen. Wo finde ich Experten, wenn ich sie brauche?

Viele SEO-Fachleute haben einen anderen Background und sich aus Interesse eingearbeitet. Erster Anlaufpunkt sind Agenturen, wenn man keinerlei Know-how im Haus hat. Agenturen liefern Beratung, können aber auch bei der Einstellung einer Inhouse-SEO helfen. Es gibt Zertifikate für Agenturen vom Bundesverband Digitale Wirtschaft oder auch diverse Google-Zertifikate für Adwords und Analytics. Das kann eine erste Hilfe sein, um eine Agentur zu finden.

Was sind deine drei Tipps für gutes SEO anno 2017?

An erster Stelle steht die Relevanz: Gute Inhalte, die auch gesucht werden und eine gute Nutzer-Experience erzeugen, werden immer die Nase vorn haben.
Mein zweiter Tipp: Inhalte für jede Art von Gerät anbieten. Mobile ist mittlerweile ein absolutes Muss, Sprachsuche stark am wachsen.
Und dann wäre da noch die Pagespeed. Das ist nicht nur ein SEO-Thema. Man sollte technisch alles nutzen, um eine schnelle Seite zu bauen. Da gibt es viele Möglichkeiten. Beispielsweise den neuen Protokoll-Standard HTTP2 oder AMP (Accelerated Mobile Pages), ein speziell für die Erstellung von Webseiten für mobile Endgeräte entwickeltes Derivat von HTML, das deutlich abgespeckt daher kommt und von Google auf eigenen Servern zwischengespeichert wird. News-Plattformen können darauf heute praktisch nicht mehr verzichten. Im Oktober 2017 wurden bereits 77 Prozent der News-Ergebnisse auf Google über AMP generiert (Quelle: .

Wie wird sich SEO in Zukunft verändern?

Machine-Learning wird starken Einfluss auf SEO haben. Google nutzt das heute schon mit RankBrain. Aber auch SEO-Tools und Website-Betreiber werden auf Machine-Learning setzen um Online-Marketing zu machen und sie haben damit vermutlich einen massiven Vorsprung gegenüber Unternehmen, welche die gleichen Arbeiten von Menschen erledigen lassen.
Auch die Sprachsuche ändert vieles, denn die ist anders als beim Tippen. Google wird künftig versuchen, viele einfache Fragen selbst zu beantworten. Beispiele hierfür sind Wettersuchen oder Suchen wie „Wie heißt die Frau von Donald Trump?“. Dann gibt für den Nutzer keinen Grund mehr ein Suchergebnis anzuklicken.
Jobplattformen oder Immobilienportale sollten für Google recht leicht in die Google-Suche kopierbar sein. Google hat bei der Google IO 2017 angekündigt Snippets für Jobs bald zu unterstützen. Das führt dann vermutlich wie bei Wetterplattformen zu massiven Trafficverlusten bei den entsprechenden Plattformen.

Gibt es Tools, mit denen ich feststellen kann, ob meine Website ordentlich suchmaschinenoptimiert ist?

Nur mit Tools ist das nicht möglich. Es gibt Tools, die das versprechen, aber man muss auch das entsprechende Know-how haben, um die Daten zu interpretieren. Ein Sichtbarkeitswert von beispielsweise Searchmetrics gibt einen guten Richtwert über die Entwicklung, aber nur bedingt einen konkreten Hinweis, was zu tun ist, oder warum die Entwicklung so ist. Searchmetrics und Google-Search-Console haben auch ein Tracking von technischen Fehlern, das kann man zum Beispiel als ersten Einstieg nutzen.

Hier geht’s zu Teil 1 des SEO-Interviews mit Tobias Willmann

Zum Autor
Der gebürtige Freiburger Tobias Willmann hat Fach- und Wirtschaftsinformatik in Stuttgart und Lörrach studiert und sich vor 8 Jahren beruflich auf den Bereich SEO konzentriert. Derzeit arbeitet er als Head of SEO für den Schweizer Medienkonzern Rignier. Zuvor war er als SEO-Berater und Projektmanager beim Berliner Online Marketing Spezialisten trafficmaxx.

 

Tool-Tipps vom Profi

Kostenlose Tools

  • Detaillierte Besucher-Statistiken
    Wer Google Analytics für seine Website nutzt, weiß, welche Seiten oft aufgerufen wurden, woher die Besucher kommen, wie lange sie bleiben und welche Suchbegriffe sie eingeben – und noch vieles mehr.
  • Direktes Feedback von Google
    Betreiber von Websites können diese in der Google Search Console registrieren und bekommen damit ein mächtiges Service und Analyse-Tool an die Hand.
  • Wie schnell ist meine Seite?
    Googles PageSpeed misst nicht nur, wie schnell eine Seite geladen ist, sondern gibt auch Tipps, wie diese optimiert werden kann.
  • Struktur durchchecken
    Mit dem Test-Tool von Google können Webmaster prüfen, ob ihre Auszeichnungen korrekt von der Suchmaschine erfasst werden.
  • Fehlern auf der Spur
    Für Programmierer ist der Web Developer ein unerlässliches Tool um Fehler im Code einer Website zu ermitteln.
  • Nutzerfluss analysieren
    Die Chrome-Erweiterung Google Tag Assistant zeigt an, ob die Google Analytics-Tags (der sogenannte Tracking-Code) richtig funktionieren. Außerdem lässt sich damit verfolgen, welche Aktionen ein Nutzer auf der Website ausgelöst hat.
  • Diagnose im Browser
    Seoquake
    lässt sich als kleine Extension im Browser installieren. Das Tool spuckt Daten zu den Keywords, zur Keyword-Dichte sowie zu internen und externen Links einer aufgerufenen Website aus. Damit lassen sich auch mehrere Auftritte miteinander vergleichen.
  • Was suchen die Leute?
    Das Keywordtool bietet in der kostenlosen Version einen ersten Überblick für Suchanfragen auf Google, YouTube und anderen Plattformen.
  • Kreativer gefunden werden
    Guter Inhalt richtet sich nach den Interessen der Kunden aus. Was die suchen, liefert Answerthepublic in einer inspirierenden grafischen Aufmachung:Answerthepublic liefert die Fragen der Menschen zu deinem Produkt

Kostenpflichtige Tools

Zusätzlich nutze ich Jira, Confluence, regex101.com, Google Docs, einen ordentlichen Texteditor wie Sublime Text, Datenbanken, Google Adwords Keywords Planner sowie diverse selbst programmierte Tools.

Wer sich mit Links beschäftigen will, sollte de.majestic.com und www.linkresearchtools.de/ als empfehlenswerte Tools ausprobieren.

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